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Ein Iftar-Abend im Sinne des Zusammenhalts

by Admin
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Ein Iftar-Abend im Sinne des Zusammenhalts

 

Am 06.03.26 hat die HIZMET-Gemeinschaft in Vorarlberg (vertreten durch den MIMOSA-Frauenverein für Dialog, Bildung und Kultur und das GALILEO-Institut für Bildung, Kultur und Sport) zum Dialog-Iftar-Mahl eingeladen. Der Einladung in das Pfarrzentrum Schoren/Dornbirn folgten insgesamt rund 80 Gäste. Der Abend war rund um das Thema “Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft” gestaltet. Denn in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltungen, Polarisierung und globale Krisen den öffentlichen Diskurs prägen, sind Austausch und Begegnungen essentiell. Mit der Motivation, Unsicherheiten entgegenzuwirken, gehören Brücken gebaut und Gemeinsamkeiten betont. Der Raum wurde geöffnet für einen konstruktiven Dialog. Das Fastenöffnen symbolisiert dabei nicht nur eine religiöse Praxis, sondern auch einen Moment der Solidarität und des respektvollen Miteinanders.

Moderiert wurde der Abend von Sümeyra Coşkun-Ilhan (Pädagogin und Obfrau), Ömer Faruk Kibar und Berra Ergün, die zunächst die beiden veranstaltenden Vereine und deren Geschichte kurz vorgestellt haben, welche sich seit 2004 und 1998 in Vorarlberg für Bildungs- und Friedensarbeit stark einsetzen. Passend zum inhaltlichen Überthema bildeten die Tische den strukturellen Rahmen. Sie wurden nämlich nach Tugenden benannt, die es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt braucht: Liebe, Geduld, Achtsamkeit, Respekt, Offenheit, Vergebung, Kreativität, Aufrichtigkeit, Wohlwollen, Gerechtigkeit, Bündnis, Zuhören.

 

Der theoretische Teil des Abends wurde in drei Unterthemen gegliedert:

… Gemeinsamkeiten und Verbundenheit über Grenzen hinweg erleben: Dabei wurden einige Ebenen/Felder des Dialogs näher beschrieben: gesellschaftlich (Nachbarschaft, Soziales Engagement, Aktive Bürger_innenschaft); alltäglich (Schüler_innen, Arbeitsplatz, Paare, Familien) und institutionell (Akteur_innen, Träger_innen, Institutionen).

… Solidarität: Das gemeinsame Fastenbrechen und die spirituelle Besinnung während des Ramadans zu fördern und ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit wurden betont. Diese Praktiken stärken nicht nur den sozialen Zusammenhalt innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, sondern auch in deren Nachbarschaft und Freundeskreisen. Durch gemeinsame Erfahrungen oder Zuhören von anderen Erfahrungen stärken sich soziale Bindungen. Das fördert den Zusammenhalt und das Gefühl der universellen Geschwisterlichkeit.

… Teilen und Mitgefühl: Hierfür wurde Abraham als Beispiel genommen. Seine Geschichte dient als Grundlage für die Bedeutung und Praxis der Gastfreundschaft  im Judentum, Christentum und Islam. In allen drei abrahamitischen Religionen geht es dabei um: Gastfreundschaft als religiöse Pflicht, Verbindung zur Gottesbeziehung, Offenheit gegenüber Andere/Unbekannte, Großzügigkeit und Selbstlosigkeit, Potenzielle spirituelle Erfahrung durch Gastfreundschaft.

Zum Schluss wurde die menschliche Strukturiertheit als Pyramide dargestellt. Wie treten wir in Kontakt und schaffen Verbindung? Zunächst über Ähnlichkeiten, dann über gegenseitiges Verständnis, Empathie, Akzeptanz und erst so entwickelt sich allmählich Vertrauen, welches das Fundament des Zusammenhalts bildet. Mit den drei Würden des Menschen (nach H.Petzold) wurde der theoretische Input abgerundet. Der Mensch ist fehlbar, verletzlich und angewiesen. Das macht uns alle WÜRDEvoll.

Der anschließende interaktive Teil war sehr vielseitig:

  • Die Gäste wurden eingeladen, Fragen oder Anregungen zur Tugend an ihrem Tisch zu teilen. Hierbei entstanden berührende Momente.
  • Durch die Erklärung der Ramadan-Talk-Kartenbox wurden Gäste zum Austausch auf andere Art und Weise eingeladen, falls sie während dem Mahlhalten sich über die interreligiösen Begegnungskarten in den Dialog treten möchten.
  • Eine der Karten wurde wurde genutzt, um kollektives Story-Telling zu machen. Daraus entstand eine Geschichte, die sich aus einzelnen Wortmeldungen entwickelt hat.
  • Es wurde auch live-Musik und Gesang gehört (und gesungen). Die Sängerin und Musiktherapeutin Aglaia Maria Mika spielte auf dem Instrument namens Shrutibox die beiden Gedichte in Liedform (“Aşkın aldı” und “Ilim ilim bilmektir”) von Yunus Emre, einem mystisch-anatolischen Poeten.

Den Schluss bildeten zwei Momente der Dankbarkeit in kollektiver Stille, während eine christliche Teilnehmerin ein selbstverfasstes Tischgebet der Gruppe vortrug und zur Fastenöffnungszeit ein muslimischer Teilnehmer den islamischen Gebetsruf “Azhan” ausdrückte.

 

Resonanzen zum Abend:

Der Anlass war sehr inspirierend für mich. Ich muss immer wieder feststellen, wie wichtig es ist, eine Kultur der Verbindungen und des Austausches über Generationen hinweg bewusst zu machen und in unserer Gesellschaft mehr Räume dafür zu kreieren. Das hat dieser Abend gezeigt.” (Margarete Zink, Kunsthistorikerin)

Ich möchte mich nochmals recht herzlich bei Ihnen bedanken für die so familiäre, mitfühlende und ergreifende Veranstaltung in Dornbirn.” (Gabriela)

Herzlichen Dank für einen wunderschönen Abend voll Miteinander, guten Gesprächen und (nicht zuletzt) köstlichem Essen.” (Werner)

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die schönen Gespräche an diesem beeindruckenden Abend.” (Katharina)

Text: (c) Sümeyra Coşkun-Ihan
Fotos: (c) B.E.